AMD hat Pläne bekannt gegeben, gemeinsam mit dem französischen Chipentwickler SiPearl ein Exascale-Supercomputersystem zu entwickeln, das auf den Arm-basierten Rhea-Prozessoren von SiPearl und den Instinct-GPU-Beschleunigern von AMD basiert.
SiPearl ist ein relativ kleines Start-up, das 2019 seine Geschäftstätigkeit aufgenommen hat und die Neoverse-Hochleistungstechnologie von Arm lizenziert. Das Unternehmen unterhält zahlreiche Partnerschaften, unter anderem mit Intel, Nvidia, HPE und Graphcore.
SiPearl beteiligt sich zudem an der European Processor Initiative (EPI), einem von der Europäischen Union ausgewählten Konsortium, das die Entwicklung von Mikroprozessoren in Europa speziell für neue Anwendungsbereiche wie Hochleistungsrechnen (HPC) und künstliche Intelligenz fördern soll. Die EPI hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2023 Arm-basierte Prozessoren für Exascale-Supercomputer zu entwickeln.

Der Rhea-Mikroprozessor von SiPearl wurde in Zusammenarbeit mit dem französischen IT-Riesen Atos entwickelt. Er verfügt über 72 Arm-Neoverse-Kerne der nächsten Generation und unterstützt DDR5- sowie HBM2E-Speicherschnittstellen mit hoher Bandbreite. Dadurch verfügt er über extrem schnellen Speicher (HBM) und einen sehr großen Speicherpool (DDR5). Der Prozessor wird von TSMC hergestellt und soll voraussichtlich 2023 auf den Markt kommen.
Instinct-Beschleuniger basieren auf der Radeon-GPU-Technologie von AMD. Sie kommen auch in anderen Systemen zum Einsatz, darunter in „Frontier“, dem Exascale-Supercomputer des Oak Ridge National Laboratory, der als schnellster Supercomputer der Welt gilt.
AMD und SiPearl gaben bekannt, dass sie zunächst die Interoperabilität des ROCm-Software-Stacks von AMD mit den Rhea-Mikroprozessoren von SiPearl untersuchen werden. ROCm ist AMDs Software-Stack für die Entwicklung GPU-beschleunigter Anwendungen. Es handelt sich dabei um eine Art zukunftssicheres Software-Ökosystem, sodass zukünftige Anwendungen auf den von beiden Unternehmen entwickelten Supercomputern laufen werden.
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Bemühungen steht zunächst die Portierung und Optimierung von AMDs „Heterogeneous Portability Interface“ (HIP), der GPU-Programmierumgebung von AMD, die es Entwicklern ermöglicht, Code zu schreiben, der sowohl auf AMD- als auch auf Nvidia-GPUs läuft.
Philippe Notton, CEO und Gründer von SiPearl, erklärte in einer Stellungnahme: “Dies bietet den europäischen Supercomputer-Anwendern eine größere Auswahl und wird es Europa ermöglichen, die großen Herausforderungen unserer Zeit wie künstliche Intelligenz, Klimawandel sowie Klimamodellierung und medizinische Forschung anzugehen.”